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20 Jahre Nationaler Geopark Ries

Vom regionalen Projekt zum UNESCO Global Geopark

Vor 20 Jahren begann im Ries eine Entwicklung, die heute weit über die Region hinausstrahlt. Was bereits im April 2004 mit der Einrichtung einer kleinen Geschäftsstelle in der Stabsstelle Kreisentwicklung beim Landkreis Donau-Ries startete, ist vom Nationalen Geopark zum international anerkannten UNESCO Global Geopark von großer Bedeutung geworden. Der Geopark Ries steht heute nicht nur für eine einzigartige Landschaft, sondern auch für gelebte Bildung, nachhaltigen Tourismus und ein herausragendes Engagement vieler Menschen.

Die Anerkennung als Nationaler Geopark vor 20 Jahren war eine Grundvoraussetzung für die im April 2022 erlangte Auszeichnung als „UNESCO Global Geopark“, welche den bisherigen Höhepunkt in der Geschichte des Geoparks darstellt. Zugleich bedeutete das Label „Nationaler Geopark“ einen Meilenstein auf dem Entwicklungsweg des Geoparks Ries, der von Beginn an von großem Einsatz aller Beteiligten, wissenschaftlicher Bedeutung und regionaler Zusammenarbeit geprägt war. Es war das Ergebnis intensiver Aufbauarbeit und bestätigt die hohe Qualität dieser einzigartigen Landschaft und ihrer Erschließung.

Der Ursprung: Ein kosmisches Ereignis prägt eine ganze Region

Seine Einzigartigkeit verdankt der UNESCO Global Geopark Ries einem Ereignis, das rund 15 Millionen Jahre zurückliegt: dem Einschlag eines Meteoriten. Der dabei entstandene Rieskrater zählt heute zu den am besten erhaltenen und am intensivsten erforschten Einschlagskratern weltweit.

Bereits früh erlangte das Ries internationale Bedeutung in der Wissenschaft. Als zweite Ringstruktur der Erde wurde der Rieskrater eindeutig als Einschlagskrater erkannt. Einen entscheidenden Durchbruch brachte 1960 die Entdeckung von Hochdruckmineralen im riestypischen Gestein Suevit – ein Produkt des Meteoriteneinschlags. Bis heute ist die Entstehung des Suevits nicht vollständig geklärt – und nach wie vor Gegenstand weltweiter Forschung.

Der Rieskrater wurde und wird sogar zur Vorbereitung für Raummissionen genutzt und dient als Vergleichskrater: Astronauten der NASA trainierten hier bereits 1970 für die Mondmissionen Apollo 14 und 17. Die jährlichen Astronautentrainings von ESA und NASA im UNESCO Global Geopark Ries haben sich seit 2017 zum festen Termin im Jahreskalender etabliert.

Die Anfänge: Aufbau und Anerkennung

Mit der Einrichtung der Geschäftsstelle im Jahr 2004 wurde der Grundstein für die Entwicklung des Geoparks gelegt. Ein erster großer Erfolg folgte im Mai 2006 mit der Zertifizierung als Nationaler Geopark durch die GeoUnion Alfred-Wegener-Stiftung. Damit wurde die geologische Bedeutung des Rieskraters und deren Veranschaulichung im Gelände offiziell gewürdigt und der Weg für eine gezielte Weiterentwicklung geebnet.

In den folgenden Jahren wurde die Infrastruktur Schritt für Schritt erweitert und weiterentwickelt: 2007 eröffnete das erste Infozentrum in Nördlingen, kurz darauf weitere in Treuchtlingen und Oettingen. Diese „Eingangsportale“ für Besucher machen die Entstehung des Rieses bis heute nachvollziehbar und verständlich.

Erlebnis Rieskrater: Wege, Geotope und Führungen

Ein zentrales Anliegen des Geoparks Ries ist es, die einzigartige Erdgeschichte für alle zugänglich zu machen. Dazu wurde das Gebiet systematisch erschlossen: Wanderwege wie der Schäferweg (2008), der Schwedenweg (2009) oder der 7-Hügel-Weg (2011) verbinden Naturerlebnis mit Wissensvermittlung. Der Radweg „Von Krater zu Krater“ (2010) sowie das Gemeinschaftsprojekt GeoRadweg Altmühltal (2024) erweitern das Angebot für Radfahrer und verbinden bayerische und baden-württembergische Geopark-Kommunen.

Ein besonderes Highlight ist heute der Ries-Panoramaweg, der seit 2022 in sieben 
 Tagesetappen, auf rund 128 Kilometern einmal rund um den Krater führt und spektakuläre Ausblicke bietet.

Parallel zur Entwicklung der Themenwege begann 2011 die gezielte Erschließung von Geotopen – den „Fenstern in die Erdgeschichte“. Orte wie das Erlebnis-Geotop Lindle bei Nördlingen-Holheim, die Geotope Klosterberg bei Maihingen oder die Geotope Kühstein bei Mönchsdeggingen machen die Spuren des Meteoriteneinschlags und seine Folgen sichtbar. Heute umfasst der UNESCO Global Geopark Ries fast 40 solche besonderen Orte, viele mit Lehrpfaden, darunter mehrere der „schönsten Geotope Bayerns“.

Menschen machen den Geopark

Von Anfang an waren es die Menschen, die den Geopark geprägt haben. Ein wichtiger Meilenstein war 2009 die Ausbildung der ersten Geopark Ries Führerinnen und Führer. Die zweite Ausbildung folgte 2021. Die Geoparkführer und -führerinnen vermitteln bis heute mit großer Begeisterung die Geschichte des Rieskraters in allen Facetten und machen selbst komplexe Zusammenhänge verständlich. Für dieses Engagement wurden sie 2019 mit dem Bayerischen Heimatpreis ausgezeichnet – ein Zeichen der Anerkennung für ihren großen Einsatz für die Region.

Auch organisatorisch entwickelte sich der Geopark weiter: Mit der Gründung des Geopark Ries e. V. im Jahr 2017 wurde die Zusammenarbeit der vielen Partner noch gestärkt und eine weitere Grundlage für die Auszeichnung zum UNESCO Global Geopark geschaffen.

Ein lebendiger Lebensraum

Der UNESCO Global Geopark Ries ist weit mehr als ein geologisches Phänomen. Auf einer Fläche von rund 1.750 Quadratkilometern leben heute über 150.000 Menschen in 53 Städten und Gemeinden, verteilt auf fünf Landkreise und zwei Bundesländer: Bayern und Baden-Württemberg.

Das Gebiet reicht weit über den Kraterrand hinaus und umfasst Teile des Altmühltals, der Schwäbischen Alb und des Donautals. Unterschiedliche Landschaften, Dialekte und Traditionen prägen diesen Raum.

Zugleich ist das Ries die bedeutendste Schatzkammer der Menschheitsgeschichte Mitteleuropas mit durchgängigen Besiedlungsspuren: Zeugnisse der Steinzeit, über Kelten und Römer, bis ins Mittelalter sind überall zu finden. Kirchen, Klöster, Burgen und Siedlungsreste zeugen von einer langen und geschichtsträchtigen Besiedlung der Kraterregion.

Auch die Naturvielfalt ist bemerkenswert und überregional bedeutsam. Magerrasen, Wacholderheiden und traditionelle Wanderschäferei prägen das Landschaftsbild der Riesränder. Sie sind Hotspots der Artenvielfalt und in Süddeutschland eine bedeutende Ost-West-Wanderroute für die Tierwelt. Der Geopark Ries engagiert sich als Partner der Heide-Allianz aktiv für deren Erhalt, indem er auf nachhaltigen und sanften Tourismus setzt.

Bildung, Kinder und nachhaltige Entwicklung

Ein besonderer Schwerpunkt des UNESCO Global Geoparks liegt auf Bildung. Der Geopark versteht sich als Lernort für nachhaltige Entwicklung. Mit dem 2021 ins Leben gerufenen Kooperations-Netzwerk „Geopark Ries Schule“ binden sich Schulen aktiv ein. Seither wurden elf Schulen aus dem Geopark-Gebiet als „Geopark Ries Schule“ ausgezeichnet, von der Grundschule, über Mittel- und Wirtschaftsschule, bis hin zum Gymnasium. Und das Netzwerk wächst stetig weiter.

Gemeinsam mit Kooperationspartnern wie der Universität Augsburg entstanden und entstehen Unterrichtsmaterialien und Bildungsangebote für den Geopark Ries als grünes Klassenzimmer.

Auch für Kinder und Familien gibt es immer mehr spezielle Angebote: Kinder-Erlebnisstationen, Kinder-Lehrpfade und die Maskottchen „Suevitchen“ und „Riesitchen“ vermitteln Wissen spielerisch und gut verständlich.

Genuss, Tourismus und moderne Angebote

Der Geopark Ries bietet heute ein umfassendes Erlebnisangebot: Ein dichtes Netz aus Wander- und Radwegen, 39 zugängliche Geotope, acht Erlebnis-Geotope mit Lehrpfad sowie vier Infozentren und elf Infostellen für Erwachsene und Kinder laden zum Entdecken ein.

Ergänzt wird das Angebot durch digitale Angebote wie der interaktiven Karte der Website, Lauschtouren, eine Geopark Web-App sowie die Social-Media-Kanäle.

Auch kulinarisch setzt der Geopark Akzente: Die Regional- und Marketing-Initiative „Geopark Ries kulinarisch“ verbindet regionale Lebensmittelerzeuger und Gastronomie auf hohem Niveau und macht die Region auch geschmacklich erlebbar. Ein Netz engagierter Gastronomen, Erzeuger und Veredler bewahrt regionaltypischen Genuss und ermöglicht authentische Geschmackserlebnisse.

Der große Meilenstein: UNESCO Global Geopark

Im April 2022 wurde der Geopark Ries als UNESCO Global Geopark zertifiziert. Diese Auszeichnung würdigt Regionen mit geologisch bedeutendem Erbe und einem ganzheitlichen Ansatz aus Schutz und Erhalt des erdgeschichtlichen Vermächtnisses, Wissensvermittlung und nachhaltiger Entwicklung.

Mit der Aufnahme in dieses weltweite Netzwerk wurde der rasante Werdegang seit 2004 eindrucksvoll bestätigt. Gleichzeitig verpflichtet die Auszeichnung zu kontinuierlicher Qualitätssicherung und Weiterentwicklung – alle vier Jahre erfolgt eine erneute Prüfung zum Erhalt der Auszeichnung.

Auch nach der UNESCO-Auszeichnung ging und geht die Entwicklung weiter: Neue Erlebnis-Geotope und Kinder-Infostellen entstanden, „Geopark Ries Schulen“ wurden ausgezeichnet und das Netzwerk stetig erweitert.

2024 wurde Suevit zum „Gestein des Jahres“ ernannt – ein weiterer Beleg für die wissenschaftliche Bedeutung des Rieskraters. 2025 folgte die Aufnahme des Rieskraters in die internationale Liste der 200 geologisch bedeutendsten Stätten der Welt.


Autoren: Heike Burkhardt, Geschäftsführerin Geopark Ries e. V., Cornelia Bäuml, Geopark Ries e. V.